Wie ein Farbenhändler…

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Wenn Daniel Rubin von den zahlreichen, innerhalb der letzten dreißig Jahre gemeinsam mit seinem Bruder Patrick unter dem Logo Canal realisierten öffentlichen Aufträge spricht, dann verwendet er zu deren Beschreibung manchmal fast paradox scheinende, sensorische Begriffe wie „die samtige Weichheit einer Wand“.  Für ihn bilden die Sinne nicht nur eine Einheit, sondern ein Gefüge: der Sehsinn steht im Bezug zum Klang, der Gehörsinn wiederum reagiert auf Farben. Als Anhänger der angewandten Künste, assoziiert er direkt auf natürliche Weise Graphik oder Dekoration und Architektur.   

Das 2017 eröffnete Kulturzentrum in La Roche-sur-Yon mit dem schönen Namen Cyel (Centre Yonnais d‘Expression Libre, als Kürzel phonetisch identisch mit dem französischen Wort für Himmel), ist dafür ein gelungenes Beispiel. Dieses Projekt verdeutlicht wieder einmal, warum dieser pragmatische und gleichzeitig poetische Architekt im Rahmen seiner bekannten Realisationen wie den Ausbau des Terminals 2F am Flughafen Roissy-Charles-Gaulle, der Mediathek im 13. Arrondissement in Paris oder dem Staatstheater in Strasburg,  immer auf die Produkte von Texaa® gesetzt hat.

Ihm gefallen an den von diesem Unternehmen entwickelten Produkten nicht nur die akustischen Eigenschaften und die eleganten Maschen des Bezugsstoffs, sondern auch die Möglichkeit „mit den Kapazitäten des firmeneigenen Ateliers zu spielen, einer Art von Kreativwerkstatt, in der man mit den ebenso design- wie technikerfahrenen Ingenieuren im ständigen Dialog Produkte entwerfen kann, eine Form der Zusammenarbeit, die leider heute selten geworden ist“, erklärt er.  Mit Texaa® entdecken wir wieder diese lang vermisste, spielerische Form der Zusammenarbeit.“

Seinen Vorstellungen entsprechend, möchte er das Projekt in allen seinen Dimensionen umsetzen, eine architektonische wie auch technische Herausforderung. Die Farbe spielt eine wesentliche Rolle, insbesondere in den monochromen Ansätzen, die „ein Raumvolumen zur Geltung bringen sollen, ohne dominante Akzente zu setzen“. Trotz der verfügbaren 22 Nuancen, erwies sich die breite Farbpalette des schalldurchlässigen Textils Aeria* von Texaa® als nicht ausreichend und Daniel Rubin optierte für von Texaa® eigens für sein Projekt komponierte, maßgeschneiderte „Sonderfarben“. Für ihn war diese kreative Freiheit „so wie die Neuentdeckung des Farbenhändlers seiner Kindheit, der die Phantasie beflügelte und dank dem das Wunschprojekt genau in den gewünschten Farben umgesetzt werden konnte…“.

Für das Kulturzentrum Cyel in La Roche-sur-Yon, in dem eine Hochschule für Musik und Tanz, eine Schauspielschule und eine Kunstschule mit Ausstellungsraum untergebracht sind, wollte er eine farbenfrohe, akustisch wirksame, absorbierende Wandverkleidung, die physisch wie auch von der Farbgebung her, als „Klangfarben“ Verbindungen zwischen den Räumen schaffen sollte.

Das für die akustisch wirksame Wandverkleidung Vibrasto ausgewählte Absinthgrün steht räumlich im Dialog in diesem sehr großen, sehr hohen, zentralgelegenen und dem Publikum vorbehaltenen Atrium, in dem man unter dem Glasdach debattieren oder spazieren kann. Dieser Grünton schafft ein ganz besonderes Lichtambiente, eine Art farbiges Echo des von dieser Farbe fast vollständig absorbierten Nachhalls des Raum.    

Verlässt man das Atrium in Richtung Lehrräume und Produktion, so dämpfen „dunkelviolette“ akustische Verkleidungen in den Räumen und Gängen den Laufrhythmus und schaffen auf natürliche Art ein der Konzentration förderliches Ambiente. „Das spüren ganz besonders Kinder, die sich manchmal einfach auf den Boden setzten und still werden“, erläutert Daniel Rubin. Im Auditorium dominiert ein anderer „Farb-Stoff“ in Violett als großformatiges, schallabsorbierendes Monochrom in das man eintaucht „um sich besser auf das Schauspiel und nicht auf andere Farbelemente oder die Bühnenbeleuchtung zu konzentrieren: Alles geht in diesem beruhigenden Violett auf, so wie die Klänge von dem akustischen Textil absorbiert werden“.

Die verschiedenen Formen der akustischen Produkte von Texaa® und ihre Montagesysteme lassen Raum für Einfallsreichtum. Daniel Rubin genießt diese künstlerische Freiheit zur Umsetzung seiner chromatischen, akustischen und raumgestalterischen Strategie.

Gesamtfläche Vibrasto System 30:  2.294,55 m2

Vert Absinthe  912 m2 in der Halle und im Atrium

Arpégio und Eglantine (zwei Violetttöne) 1.316,55 m2 in den Gängen und im Auditorium

Bauherr : Stadt La Roche-sur-Yon
Bauleitung : Atelier CANAL Daniel Rubin
Akustiker : VIA SONORA
Szenograf : ACTES
Montageunternehmen : Briand (85) und Guitteny (44)
Fotografen : Philippe Bertheau und David Fugere.